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26.09.2022 01:15:41


Geschichte des Bezirks


Schlacht Murten
Schlacht bei Murten, 1476
Das Murtenbiet war mit seinen 26 deutsch- oder französischen Gemeinden, die sich während der Reformation zum protestantischen Glauben bekannten, bis 1789, dem Jahre des Einfalls der Franzosen, eine Gemeine Herrschaft der beiden Stände Bern und Freiburg. Das Senseland, mit dem oberen Teil des Seebezirks, gehörte zur sogenannten Alten Landschaft und war bis 1848 dem Herrschaftsbereich der Stadt Freiburg unterstellt.
Mit dem Ende der Sonderbundswirren kam es zu einer totalen Revision des Bundesvertrages durch eine Verstärkung der Zentralgewalt und im Kanton Freiburg zur Schaffung einer neuen Verfassung, welche die Ideen der Helvetik und der Aufklärung in allerdings abgeschwächtem Masse umsetzte (M. Boschung). Für den Seebezirk besonders folgenreich war die Einteilung des Kantons in sieben Bezirke mit einer auf den natürlichen Gegebenheiten basierenden Grenzziehung, die auf das geschichtlich Gewordene wenig Rücksicht nahm. Bestehende Vogteien wurden auseinandergerissen – von den fünf mit Bern verwalteten Vogteien blieb nur der Bezirk Murten beim Kanton. Von der Alten Landschaft (Anciennes Terres), dem Herrschaftsbereich der Stadt Freiburg, ging ein respektabler Teil in den neuen Sensebezirk auf, ein anderer wurde zur Vergrösserung des Bezirkes Murten, der den Namen Seebezirk erhielt, aufgewendet.
Heute darf man füglich behaupten, dass man im Seebezirk nicht ohne Grund stolz ist, Bürger eines Kantons mit einem vielfältigen kulturellen Hintergrund zu sein. Der Erfahrungsschatz im Umgang mit der Zweisprachigkeit, gewonnen im Rahmen der gemeinen Herrschaft, wurde noch vertieft durch die Angliederung des Murtenbiets an den Kanton Freiburg und später durch die Schaffung des Seebezirks, womit sich die Bevölkerung dieses Gebietes noch stärker in die Westschweiz integrierte. Ob dieser letzte territoriale Akt von der Regierung allein aus verwaltungstechnischen Überlegungen in die Wege geleitet wurde oder ob die damalige Regierung noch andere Gesichtspunkte in ihre Gedankengänge miteinbezog, möge letztlich dahingestellt bleiben. Gewollt oder ungewollt, schuf sie mit dem Seebezirk politisch, konfessionell und kulturell ein einzigartiges Mosaik. Ein Gebilde, das auf einer Fläche von 160 Quadratkilometern eine Schweiz im kleinen darstellt, so quasi ein Experimentierfeld, in dem die handelnden Personen in engstem Schulterschluss und in gegenseitiger Toleranz zusammen arbeiten müssen. Es gelang beispielsweise, verwaltungsmässig im Rahmen der bestehenden Gesetzgebung ein Oberamt und ein Bezirksgericht zu schaffen, welche zur Zufriedenheit beider Sprachgemeinschaften ihre Arbeit ausführen. Zudem dürfen wir heute mit Befriedigung feststellen, dass der Dialog auf der Ebene der Gemeinden soweit gediehen ist, dass sie sich zur Wahrung ihrer gemeinsamen Interessen zu einem funktionsfähigen „Verband der Gemeinden des Seebezirks“ mit heute 26 Gemeinden zusammengefunden haben.

Auszüge aus dem Buch „Der Seebezirk – Le district du Lac“, herausgegeben im 2000 vom Verband der Gemeinden des Seebezirks